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Die eigene Mitte finden

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Die eigene Mitte zu finden, das heißt inneres Gleichgewicht zu erreichen. Wer in der eigenen Mitte ruht, steht stabiler in der Welt. Das kann man metaphorisch verstehen oder wortwörtlich in Hinblick auf die Körperhaltung. Innere Ausgeglichenheit ermöglicht ein wirkungsvolleres Handeln, wenn es angebracht ist und ein entspanntes Nicht-Handeln, wenn dies sinnvoller ist.




Um die eigene Mitte zu finden gibt es viele Mehoden. Meditation ist ein Weg, zum Beispiel, indem man ein Mandala anschaut. Auf der Reise ins eigenen Innere gibt es viel zu entdecken.
Einer der frühesten Reiseführer, die es für diese Reise gibt, ist das Nei Ye, ein zweieinhalb Jahrtausende alter chinesischer Text, der den Weg zu innerer Ruhe beschreibt. Das Nei Ye gibt dazu ganz praktische Ratschläge, die zu einer Selbstregulierung führen sollen.

Nei Ye - Der Weg zu innerer Ruhe

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Heute ist meine kommentierte Übersetzung des Nei Ye erschienen.

Nei Ye bedeutet innere Übung. Der Text beleuchtet den Zusammenhang zwischen innerer Sammlung und äußerer Wirkung und enthält Anleitungen für die Meditationspraxis.
Das Nei Ye ist ungefähr zweieinhalb Jahrtausende alt und ist damit einer der ältesten daoistischen Texte überhaupt. Seine Grundgedanken finden sich noch heute in den ostasiatischen Kampfkünsten und in der traditionellen chinesischen Medizin.
Das Nei Ye ist aber nicht nur für China-Interessierte lesenswert. Es trifft den Nerv der Zeit. Gerade wenn alles immer schneller gehen soll, ist es wichtig, zur Ruhe zu kommen und die eigene Mitte zu finden.



Nei Ye - Der Weg zu innerer Ruhe. Aus dem Chinesischen übersetzt und kommentiert von Jupp Hartmann (ISBN: 9783-7504-4038-8)

Rezension: Zhao Tingyang. Alles unter dem Himmel

Zhao Tingyang ist einer der bedeutendsten chinesischen Gegenwartsphilosophen. Sein Buch "Alles unter dem Himmel - Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung" hat auch im Westen lebhafte Debatten ausgelöst. Hier der Link zu einer Rezension von Martina Bölck:
Rezension: Alles unter dem Himmel

Rezension: Julian Baggini. How the World Thinks

Gerade habe ich ein sehr interessantes Buch zu Ende gelesen. Es ist von dem englischen Philosophen Julian Baggini und trägt den Titel "How the World Thinks". Leider gibt es davon noch keine deutsche Übersetzung, was mich sehr erstaunt, denn in Großbritannien ist es ein Bestseller.
Baggini geht es in seinem Buch um eine globale Geschichte der Philosophie. Dabei stellt er Konzepte und Vorstellungen aus verschiedenen Denktraditionen nebeneinander: indische, ostasiatische, westliche, muslimische, aber auch mündlich überlieferte der australischen Aborigines oder aus Afrika. Er zeigt, wie die unterschiedlichen philosophischen Ansätze in den jeweiligen Teilen der Welt zu unterschiedlichen Perspektiven auf die Dinge geführt haben und wie sie ihren Niederschlag im Verhalten der Menschen gefunden haben, auch derer, die sich der philosophischen Hintergründe ihrer Alltagsüberzeugungen nicht bewusst sind.

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit der Frage, nach welchen Gesichtspunkt…

Klimakrise und persönliche Verantwortung

Immer mal wieder höre ich in Diskussionen über die Klimakrise das Argument, die Deutschen oder die Europäer könnten auch durch noch so radikale Verhaltensänderungen nichts bewirken. Dazu seien wir ein zu kleiner Teil der Weltbevölkerung.
Aber wir können uns nicht unter Verweis auf China, die USA oder Indien aus der Verantwortung stehlen. Das ist plumpe Trickserei mit der Statistik. Statistisch gesehen ist der luxemburgische Ausstoß an klimaschädlichen Gasen sicherlich geringer als der deutsche. Wenn aber Bürger*innen Luxemburgs argumentieren würden, ihr Verhalten spiele aufgrund der geringen Größe ihres Landes ohnehin keine Rolle, würden wir das mit gutem Grund nicht gelten lassen. Ein in Luxemburg gefahrener SUV richtet schließlich nicht weniger Schaden an als einer, der ein paar Kilometer weiter, jenseits der Grenze, in Deutschland gefahren wird.

Das eigene Verhalten mit dem zu rechtfertigen, was andere tun oder nicht tun, bedeutet, sich in der Masse zu verstecken. Aber wer nach …

Worte eines alten Philosophen zur aktuellen Situation

Jetzt, da sich viele durch das Herunterfahren der Wirtschaft in ihren Aktivitäten ausgebremst fühlen, erscheint mir ein Gedanke des alten chinesischen Philosophen Zhuangzi unglaublich aktuell, obwohl er schon über zwei Jahrtausende alt ist. Ich verbinde ihn mit der Hoffnung, dass die veränderte Situation vielleicht auch für den einen oder die andere ein Anreiz ist, zumindest einmal probeweise aus dem Hamsterrad auszusteigen.
Natürlich weiß ich auch, dass diese Option nicht allen unmittelbar offen steht. Wer eine Familie zu ernähren hat oder in einer prekären Lage ist, kann sich nicht einfach mal so dafür entscheiden, sich mehr Muße zu gönnen. Und manche Berufsgruppen sind jetzt auch besonders im Stress. Aber es wäre schon viel damit getan, wenn sich die kulturellen Werte Stück für Stück in Richtung einer weniger stressigen Lebensweise verschieben würden. Offensichtlich geht es ja auch mit insgesamt weniger Leistung. Den Menschen täte es gut und der Umwelt erst recht.
„Wenn der Landma…